Пресса

Powermetal (Germany)

http://www.powermetal.de/cdreview/review-5783.html

YAT-KHA machen Weltmusik, in ihrem Falle eine Mischung aus asiatisch folkloristischer Instrumentalmusik und getragenem Kehlkopf-Oberton-Gesang (welcher in etwa so klingt, als hätte der Sänger ein Didgeridoo verschluckt), kombiniert mit westlichen Rockeinflüssen.

Eben dieser Rockeinflüsse hat sich Albert Kuvezin von YAT-KHA auf "Re-Covers" besonders angenommen.
Der Titel des Albums kommt nicht von ungefähr, stand das Projekt doch unlängst unter keinem guten Stern: Aus Ungarn wegen gestohlener Pässe ausgewiesen (eine Rückführung ins zentralasiatische Tuva stand an), erfuhr Kuvezin drei Tage vor angesagter USA-Tour, dass der zweite Sänger abgesprungen war (welchem die Drei-Tages-Reise von Tuva zum Moskauer Flughafen auf den Sack ging), und schließlich setzte der Musiker auch noch seinen Wagen und sich selbst zu Schrott fährt. Noch im Krankenhaus reifte dann die Idee, sich dem zweiten Wurzelstock der eigenen Musik anzunehmen und als Nächstes eine ausgewählte Handvoll Songs aus dem westlichen Kulturkreis zu covern. Und da finden sich breitgestreute Einflüsse aus vergangenen Jahrzehnten und diversen Stilen, die von Folk und Blues über Reggae, Rock und Hardrock bis hin zu elektronischer Musik reichen.
Im Vergleich zu vorangegangenen Alben erkennt man auf "Re-Covers" natürlich schon das durch die Songs vorgegebene Korsett im jeweiligen Aufbaus eines Stückes, doch an YAT-KHAs Stil selbst hat sich kaum etwas geändert. Zu starkem Percussioneinsatz und diversen schnarrenden Saiteninstrumenten asiatischer Prägung, welche teilweise auch recht perkussiv eingesetzt werden, aber auch zu elektrisch verstärkten Gitarren gesellt sich bei YAT-KHA der eingangs beschriebene Kehlgesang, und alles zusammen fügt sich dann zu einem erdigen, aber doch auch ätherisch anmutenden Klangbild.
Im mystisch umgesetzten 'In A Gada Da Vida' kommt gar noch ein betörend gekratztes Streichinstrument hinzu; dass die Inspiration des IRON BUTTERFLY Stücks der SLAYER Version entnommen wurde, lässt sich dabei trotz der enorm verlangsamten Spielweise noch am mysteriös derwischenden Arrangement ablesen.

Doch zunächst bekommt die werte Hörerschaft drei andere Klassiker geboten, welche auf wunderbare Weise die genreverbindende Kraft von YAT-KHAs Musik illustrieren:

'When The Levee Breaks' von LED ZEPPELIN findet sich da nach besinnlichem Zither(?)intro als hypnotisch dahinpluckernder Regenbeschwörungsblues wieder, KRAFTWERKs 'Man Machine' als orientalischer Tanz im Opiumrausch, und HANK WILLIAMs 'Ramblin' Man' als in ein schmutziges, trauriges Schlaflied verpacktes kosmisches Sinnbild für uns alle, die wir hier auf Erden wandeln.

Auch das mit sehr tiefer Stimme knurrig zu spärlichen, traurigen Akustikgitarrenakkorden dargebotene 'Love Will Tear Us Apart' sollte man unbedingt einmal gehört haben, obschon es etwas aus dem Rahmen des Albums zu fallen scheint. Fans des zeitgenössisch dargebotenen, nicht all zu puristischen Blues, wie man ihn unlängst noch vom späten JOHNNY CASH zu hören bekam, werden davon wohl ebenso begeistert sein, wie Gothic Jünger der ersten Stunde.

Besonders basslastig wird es mit der rein vokal dargebotenen Folkballade 'The Wild Mountain Thyme' [FRANCIS MCPEAKE]. Diese ertönt nämlich in fast schon klingonisch zu nennender gutturaler Stimmlage (jedoch ohne die für diese Kunstsprache typischen, scharfkantigen Konsonantencluster).

Die spartanisch schamanisch umgesetzte Version des CAPTAIN BEEFHEART Stücks 'Her Eyes Are A Blue Million Miles' schafft es, die im Original bereits unterschwellig angelegten knorrigen Stärken des Songs noch weiter auf die Spitze zu treiben, ohne darob die Melodieführung zu sehr zu vernachlässigen.

Mit dem 'Pesnya O Giraffe' vom sowjetischen Kult-Liedermacher VLADIMIR VYSOTSKIY folgt eine gelungene Verschmelzung von russischen und tuvanischen Elementen.

Gewöhnungsbedürftig erscheint zunächst das MOTÖRHEAD Cover 'Orgasmatron': Wo sich die Briten im Original düsterer, doomiger, langsamer und einfach more heavy gaben als jemals wieder in ihrer langjährigen und nichtendenwollenden Hardrock / Heavy Metal Karriere, bringen YAT-KHA einen Kontrapunkt flink gespielter, trappelnder, ja geradezu ausgelassen fröhlich und becircend wirkender Saiteninstrumente in das mythische Geflecht aus kaltblütiger Percussion und dräuendem Gesang ein. Dann aber passt es doch wieder ganz gut, als Illustration der ebenso verführerischen wie betrügerischen Einflüsterungen des Bösen. Übertragen auf unseren Kulturkreis stelle ich mir dazu ein buntes Häuflein Landknechte im Dreißigjährigen Krieg vor, wie sie vom Teufel als Vortänzer geführt, pfeifend zur nächsten Plünderung mit vorausgehendem Gemetzel ziehen. Und so finden sich in meiner Vorstellung sch
ließlich germanischstämmige Söldner, angelsächsische Bühnenfrontsäue, schamanische Steppenreiter und der i
m Text erwähnte römische Kriegsgott Mars persönlich in diesem Song ein, um - wie Kuzevin es im (die Auswahl sämtlicher Stücke kurz und knapp in Englisch, Kyrillisch, Französisch und Deutsch erläuternden) Booklet ausdrückt - die >>Politiker daran zu erinnern, wer sie eigentlich sind<<.

YAT-KHAs 'Black Magic Woman', angelehnt an die Version von SANTANA, kann ich kaum notdürftig umschreiben, sondern allenfalls pauschalisierend als genial bezeichnen. Auch das erdig schwarze 'Exodus' (BOB MARLEY) mit seinem hypnotischen Maultrommel(?)einsatz und dem sehr didgeridoomäßigen Voodoovokalgesang überzeugt auf ganzer Linie; herrlich hier auch die tribalistische Steigerung gegen Ende.

Mit sehr düsterem Gesang und versonnenen Gitarrenakkorde folgt (ähnlich der Umsetzung von 'Love Will Tear Us Apart') ein weiterer gothic folk song, so scheint es; vom ursprünglichen Rock der ROLLING STONES ist bei 'Play With Fire' nämlich kaum noch etwas zu hören. Eben so langsam, und noch eine ganze Spur melancholischer schließt 'Pesnya Mergena' vom Komponisten tuvanischer Symphoniemusik ALEXEI BAKTREVITCH TCHYRGAL-DOL das album sehr harmonisch ab. Sicherlich wird dieser Sound auch den Anhängern des folkloristischen DEAD CAN DANCE Albums "Towards The Within" zusagen.

Alles in allem ist diese vielfältige, doch ausgewogene Mischung diverser Klassiker in teils genialer Umsetzung den Musikern von YAT-KHA wirklich ausgezeichnet gelungen. Das Album lässt sich hervorragend in einem durchhören, besticht durch ungewöhnliche, sehr rhythmische, dennoch stets organisch fließende Arrangements und die gewisse Yat-Kha typische Grundstimmung.

Anspieltipps: ALLES.
Eike Schmitz


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